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Motivation von begabten Kindern (und deren Lehrern)

Motivation von begabten Kindern (und deren Lehrern)

Beitragvon Udo R. » Di 20. Jan 2009, 15:52

Hallo,

ich habe einen Sohn, der wurde von seiner Lehrerin in der Grundschule als begabt eingestuft.

Um ihn ein wenig zu fordern, hatte ich ihm dann vorgeschlagen, bei Jugend Forscht mitzumachen. Als Drittklässler errang er dann auch den Landessieg in der Alterklasse bis 14 Jahren.

Derartig motiviert, trat er dann im nächsten Jahr mit einem deutlich anspruchsvolleren Projekt an. Diesmal ging er bei der regulären Preisverleihung leer aus, weil (Zitat) nicht gewünscht wurde, dass ein Grundschüler in Konkurrenz zu 20 Jährigen tritt. Der Ministerpräsident des Landes und der Geschäftsführer der technischen Fakutät einer Universität versahen ihn daraufhin aber mit einer Dankesurkundes des Landes und hochwertigen Sonderpreisen (Abiturwissenlexikon und Rundflug über das Bundesland).

Mein Sohn war der Meinung, sein Projekt war nicht gut genug, um einen regulären Preis zu gewinnen und strengte sich im folgenden Jahr noch mehr an. Diesmal wurde er völlig ignoriert.

Es folgte ein Jahr Pause, dann suchte er als 13 Jähriger Sponsoren für sein nächstes Projekt. Erstaunlicherweise wollten ihn auch fast alle angeschriebenen Firmen fördern. Er suchte sich einen Konzern aus, der ihm 2000 Euro zur Verfügung stellte und den Zugang zur Entwicklungsabteilung ermöglichte. Dann arbeitete er sein Projekt (eine Simulationssoftware für eine neues Produkt) aus. Das Ergebnis überraschte die Konzernmitarbeiter, die Projektarbeit wurde als so professionell eingestuft, dass sich die Entwicklungsabteilung des Konzerns mit der Analyse der erstellten Simulationssoftware beschäftigte, um ein umsatzstarkes Projekt zu kreiieren.

In völligen Kontrast dazu stand die erste Reaktion der Lehrerschaft seiner Schule. Kommentar: "Das Projekt ist zu perfekt, das kann niemals von einem 13 Jährigen stammen." Es kam zu einem intelektuellem Schlagabtausch zwischen meinem erbosten Sohn und seinen Lehrern, worauf hin sich diese entschuldigten und konstruktive Vorschläge für sein Projekt machten.

Ich gehe davon aus, dass mein Sohn auch diesmal wieder bei Jugend Forscht leer ausgeht (die Juroren sind Lehrer) und er möglicherweise beginnen könnte, an sich zu zweifeln und demotiviert wird.

Die Reaktionen von Konzernmitarbeitern (Vorstand, Produktmanager) auf der einen Seite und Lehrern auf der anderen Seite sind völlig unterschiedlich. Die erste Gruppe fordert und fördert und findet es toll, wenn Kinder Forschungsprojekte bearbeiten, die zweite Gruppe blockt zunächst einmal.

Und jetzt meine Frage: "Wie kann man Lehrer dazu motivieren, sich mit begabten Kindern auseinanderzusetzen und wie kann verhindert werden, dass begabte Kinder demotiviert werden?"

Nach meine Einschätzung handelt es sich um ein generelles Problem, das begabte Kinder haben.


Mfg

Udo R.
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Beitragvon carlotta » Do 22. Jan 2009, 22:01

Ich glaube, das ist nicht das Problem an der Geschichte! Ich hab da ganz andere Fragen: Warum sollen gerade Lehrer daran schuld sein? Für wen strengt sich dein Sohn so an? Wenn er ohnehin mit seinem Projekt so erfolgreich ist, warum muss es gerade der Preis sein?
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Beitragvon Udo R. » Fr 23. Jan 2009, 16:27

Von Schuldzuweisungen gegenüber Lehrern möchte ich nicht reden. Was mir jedoch aufgefallen ist, dass sich Lehrer sehr gerne zurückziehen, wenn ein Sachverhalt zu komplex wird und dann nach einem Grund suchen, weshalb sie das tun dürfen.
Das finde ich schade, da ja die Aufgabe von Lehrern die Vermittlung von Bildung ist.

Mein Sohn hat ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden.

Udo
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Beitragvon wolfgang » Fr 23. Jan 2009, 17:20

Warum sind Sie schon jetzt davon überzeugt, dass Ihr Sohn wieder leer ausgehen wird? Ich hoffe, Sie haben ihm das nicht auch noch gesagt! Ich denke, das hat auch alles nichts mit Gerechtigkeit zu tun - Wettkämpfe beinhalten immer die Gefahr des Scheiterns und je früher man das lernt, dass Siegen nicht alles ist, desto besser kann man dann mit Rückschlägen im Leben umgehen!
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Beitragvon Udo R. » So 25. Jan 2009, 16:51

Es ist sicherlich ein Vorurteil. Aber das Vorurteil basiert in diesem Fall auf Statistik und Korrelation. Mein Sohn wollte inspririert durch die Fernsehsendung "Numbers", in der Mathematiker Verbrechen aufklären, ursprünglich eine Arbeit in der Katergorie Mathematik einreichen, die Standorte der Wettbewerbsteilnehmer, Wohnorte der Juroren und errungene Preise korreliert, um dann landesweit für jeden Teilnehmer eine standortabhängige Gewinnchance zu errechnen. Die Arbeit hat er zwar fertig gemacht, dann aber doch nicht eingereicht, weil ich ihm erklärt habe, was er mit seiner Arbeit letztendlich anrichten würde.

Ich habe meinem Sohn gesagt, dass das Niveau seiner jetzigen Arbeit so sei, dass die praktische Arbeit (Simulationsprogramm) durchaus vergleichbar sei mit einer sehr guten Diplomarbeit in den Ingenieurwissenschaften (da hat er gestrahlt), dass er aber trotzdem damit rechnen muß, dass er wieder leer ausgeht und er ja selbst ausgerechnet hätte, wie groß seine Erfolgschancen seien.

Er solle sich darüber freuen, dass er einen extrem leistungstarken Rechner mit drei Bildschirmen gesponsert bekommt und die Computer AG seiner Schule auf grund seiner Arbeit von dem Vorstandsvorsitzenden eines Großkonzerns privat gesponsert werde. Das sei eine größere Anerkennung als der Gewinn eines regulären Preises.

Das Problem an der Sache ist, das mein Sohn emotional noch ein typischer 13 jähriger Junge ist, und nicht die "Frustrationsfestigkeit" eines Erwachsenen hat. Mein Ziel ist es, ihn zu einem positiven denkenden Menschen zu erziehen, der auch Rückschläge verkraftet, ohne seine positive Grundeinstellung zu verlieren.

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